Markus Harder-Völkmann: Orgelbauer mit Leib und Seele


Bereits als Jugendlicher spielte für Harder-Völkmann die Musik eine große Rolle, wobei er sich weniger für Orgel als für Schlagzeug interessierte.

Seinen beruflichen Weg sah er im Instrumentenbau, und auf der Suche nach dem geeigneten Instrument entdeckte er bald den Orgelbau.

"Eigentlich wollte ich Schlagwerkbau erlernen, aber das ist nach der Lehre ziemlich langweilig, weil es sich meist um reine Fließbandarbeit handelt. Bei der Orgel ist das anders."


"Das ist ein extrem komplexes Instrument, jede Orgel ist anders und muss dem Raum, in dem sie steht, individuell angepasst werden. Eine Orgel kann nicht einfach so von einem Ort zum anderen versetzt werden.

Diese Komplexität hat mich fasziniert und deswegen habe ich mich auf Orgelbau spezialisiert." Aus Harder-Völkmanns Firma stammt auch der Spieltisch für die St. Lukas Kirche.

Bei diesem Projekt lernte er Christian Stock kennen. "Das war schon eine komische Geschichte", lacht er. "Da kommt dieser Typ auf mich zu und sagt‚ "So was wie die St. Lukas Orgel will ich auch haben'. Es dauerte ein bisschen, bis ich merkte, dass er es ernst meinte." Anfangs war Harder-Völkmann sehr skeptisch, ob sich so ein Projekt verwirklichen lassen würde.


Stock wollte eine konzertfähige Orgel haben und seine Idee war, die Konzerte von St. Lukas aufzuzeichnen, so dass diese auf seiner Orgel mittels Datenträger gespielt werden können.

Ein Spieltisch war von Stock anfangs gar nicht geplant. Dazu hat der Orgelbauer ihn erst überredet, da so einfach mehr Möglichkeiten der Nutzung zur Verfügung stehen. Ziel im Bürogebäude in der Industriestraße war es, eine Orgel zu konstruieren, auf der sowohl Kirchenmusik, als auch für die Orgel bearbeitete große Orchesterwerke, moderne Orgelliteratur und Unterhaltungsmusik gespielt werden können.
 


Darüber hinaus musste sich die Orgel in Gestalt, Umfang und Klangkraft harmonisch in den gegebenen Raum einfügen.
Alles in allem für Harder-Völkmann eine spannende Herausforderung, die er jedoch phantastisch gelöst hat.

"Um auf dem eingeschränkten Raum dennoch ein orchestrales Klangvolumen zu erreichen, mussten wir uns einiges einfallen lassen. Zunächst entschieden wir uns, eine traditionelle Kirchenorgel mittlerer Größe in die Anlage zu integrieren, teilweise aus Kostengründen, teilweise, um möglichen klanglichen Einschränkungen vorzubeugen.

Nach etwa einjähriger Suche fiel die Entscheidung zu Gunsten einer "Faust"-Orgel von 1953, die wir in Duisburg erstanden haben. Ihre 16 Register (Pfeifenreihen) stehen auf elektropneumatischer Versorgung und stellen quasi die Basis und den klanglichen Hintergrund des neu konzipierten Instruments dar."

Dann wurden nach und nach Veränderungen vorgenommen. So wurden unter Anderem weitere Pfeifenreihen angelegt, deren einzelne Pfeifen in verschiedenen Registern mehrfach Verwendung finden.

Dadurch entstand eine ausreichende Klangmasse bis in die tiefsten Bässe und die brillantesten Höhen. "Nur so zum Vergleich: Die jetzige Orgel hat etwa die dreifache Klangstärke der ursprünglichen Orgel, und sie verfügt über weitaus mehr Klangfarben."

 
Erreicht hat Harder-Völkmann das im Rückgriff auf alte Bauprinzipien, die im angelsächsischen Sprachraum in den 20er Jahren für die filmbegleitende Kinoorgel eingesetzt wurden.

"Wir haben gewissermaßen ein Kirchenorgelsystem mit einem Kinoorgelsystem kombiniert. Das ist auch das Innovative an unserer Arbeit, denn so eine Kombination gibt es bis jetzt noch nicht.

Aber so haben wir neue Klangmöglichkeiten geschaffen, welche diese Orgel erst zu einem konzertfähigen Werk machen."

Und verbunden mit der ungewöhnlichen räumlichen Aufteilung der Orgel entstand ein gelungenes musikalisch-architektonisches Gesamtkonzept, das Augen und Ohren gleichermaßen erfreut.